Rezepte mit Geschmäckle: Steht Anna Kouparanis zu ihren Prinzipien? 2/2

Die Autorin dieser Kolumne möchte anonym bleiben.

Die Köpfe hinter Algea Care, Ilios Sante und der Bloomwell Group, Niklas und Anna-Sophia Kouparanis, sind hochklassig gebildete Menschen mit teilweise mehreren Master-Abschlüssen. Zudem hat Anna Kouparanis im Interview mit Krautinvest.de durchblicken lassen, dass sie neben dem Deutschen, auch den US-amerikanischen Pass besitzt. Es handle sich dem Anschein nach um kosmopolitische Weltenwandler, die im Cannabis-Segment ihre große Chance sehen, ihre Spuren in dieser Welt zu hinterlassen. Im Krautinvest-Interview ließ Anna Kouparanis so zum Beispiel durchblicken, dass einer ihrer großen Träume im Leben sei, „unternehmerisch die Welt [zu] verbessern“. Was für ein edles Motiv, Bravo!

Ich habe viele Quellen zur Person studiert, jedoch finde ich das Krautinvest-Interview nach allem die interessanteste Lektüre, offenbart sie doch darin ihre zwei gegensätzlichen Seiten. Auf der einen Seite: Unternehmerisch die Welt verbessern, auf der anderen Seite die Glorifizierung des schnellen Geldes und rasanten Wachstums.

Im Interview wird die Jungunternehmerin gefragt, welchen Persönlichkeiten die europäische Cannabis-Industrie in den letzten fünf Jahren am meisten zu verdanken hat: Sie nennt an dritter Stelle ihren Bruder Niklas Kouparanis. Soweit, so gut, denn die Pointe kommt mit der Begründung: Er habe als einziger deutscher Cannabis-Gründer „einen Exit im zweistelligen Millionenbereich in unter zwölf Monaten erreicht“. Was eine Schlappe für Legalisierungs-Kämpfer wie Frank Tempel, Georg Wurth, Michael Knodt oder Niema Movassat. Denn wenn man zum zweistelligen Millionen-Exit von Niklas Kouparanis recherchiert, findet man im Branchen-Magazin Apotheke-adhoc.de heraus, dass seine ehemaligen Geschäftspartner des deutschen Cannabis-Unternehmens Farmako die Meinung seiner Schwester nicht unbedingt teilen, Zitat:

Kurz darauf war dann der Tiefpunkt erreicht: Kouparanis flog als Geschäftsführer hochkant raus und die Kommunikation der Personalie ließ keinen Zweifel daran, dass es keine Trennung im Guten war. Kouparanis habe „den Gesellschafteransprüchen leider nicht mehr gerecht werden“ können, weshalb sich die anderen Gesellschafter einstimmig dazu entschieden hätten, das Unternehmen ohne ihn fortzuführen.

Das „kurz darauf“ bezieht sich übrigens auf Niklas‘ Ankündigung im Namen Farmakos, bereits die nötigen Prozesse entwickelt zu haben, um hefebasierte Cannabinoide deutlich günstiger als auf dem botanischen, konventionellen Wege herzustellen. Diese Aussage wurde von Wissenschaftlern auseinandergenommen und Farmako geriet in Erklärungsnot und musste die Aussage zurücknehmen.

anna kouparanis mit Diana zur Löwen
Anna Kouparanis mit Diana zur Löwen

Seither trat immer mehr seine Schwester Anna Kouparanis in den Vordergrund. Das Personal Branding hat sie objektiv gesehen auf jeden Fall sehr erfolgreich betrieben. Erst heute, am 28. Juni 2022, habe ich sie weintrinkend gemeinsam in der Instagram-Story von und mit Finanz- und Mode-Influencerin Diana zur Löwen erblicken können. Wieder eine Million weitere Menschen erreicht! Respekt.

Doch scheinbar sind Niklas Kouparanis’ Spuren der Streitereien mit den Geschäfts-Partnern bei Farmako mittlerweile verjährt, denn er vertritt die Deutsche Cannabis-Szene wieder in den höchsten Kreisen. Am 29. Juni 2022 nimmt er an einem Panel-Gespräch der deutschen Medizinal-Cannabis-Elefanten bei der Cannabis Europe in London Teil – gemeinsam mit Boris Moshkovits, Co-Founder von Alephsana, Finn Hänsel, Founder der Sanity Group, und – Moritz Förster, welcher auch das Interview mit Anna Kouparanis führte, aus dem ich gleich weiter zitieren möchte, während sie auf der Bitz and Pretzels HealthTech in München Wein mit Diana zur Löwen trinkt. Am 30. Juni spricht sich Niklas Kouparanis als CEO der Bloomwell Group bei der fünften und letzten Konsultation des Gesundheitsministeriums zur Cannabislegalisierung für den Versand von Cannabis aus, doch stößt bei der antwortenden Vertreterin des Volkes nicht auf Gegenliebe. Sie hätten den Versandhandel bedacht, aber aus guten Gründen nicht auf die Agenda gesetzt. (Anmerkung der Redaktion: Nicht falsch verstehen, wir sind auch für den Versandhandel von Cannabis, denn schließlich ist eine zuverlässige Alterskontrolle auch beim Versand von Spirituosen seit Jahren möglich – eines der Argumente der Lenker Deutschlands im Konsultations-Prozess zur Legalisierung gegen den Versandhandel.)

„Sorgfältig, ambitioniert, ehrlich“,

ist Anna Kouparanis’ Antwort auf die Frage, welche Moritz Förster ihr am Ende des Interviews stellte. Sie sollte sich in drei Adjektiven beschreiben, die sie am besten charakterisieren: Sorgfältig, ambitioniert, ehrlich. Ihre Ambitionen kann ich ihr unmöglich abreden, denn was sie bisher geleistet hat, ist ohne Frage bemerkenswert und definitiv überdurchschnittlich. Zumindest hat sich Algea Care zur deutschen Cannabis-Institution gemausert, was ihre 8000 Patienten ohne weiteres bestätigen.

Bei den Worten sorgfältig und ehrlich sieht es jedoch leider etwas anders aus.

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Anna Kouparanis’ LinkedIn

Denn mit Blick auf Ihre Kurzbiografie im Karriere-Netzwerk LinkedIn ist sie entweder nicht sorgfältig, oder aber nicht ehrlich. Sie schreibt, sie sei Deutschlands erste weibliche Cannabis-Gründerin – was mit Betrachtung anderer deutscher, weiblicher Cannabis-Gründerinnen bei genauerer Betrachtung nicht stimmt. Ich hätte es ihr als Frau wirklich gegönnt. Doch diese Aussage hat das Fass leider zum Überlaufen gebracht. Denn mit dieser omnipräsenten Aussage unter dem Namen bei LinkedIn tut sie allen anderen deutschen, weiblichen Cannabis-Gründerinnen, die vor ihr im Spiel waren, einfach Unrecht.

2017 hat Lisa Haag ihr Unternehmen MJ Universe GmbH gegründet, wo Anna Kouparanis laut eigenen LinkedIn-Lebenslauf noch Working student bei der BRITA group war, gefolgt von Stationen bei Mercedes Benz Consulting und Farmako. Sie war auch nicht die zweite deutsche, weibliche Cannabis-Gründerin, denn im September 2018 hat Julia Wilde die CannaCare Health GmbH mitgegründet – ganze 13 Monate eher, als Anna Kouparanis die Ilios Sante gegründet hat – nämlich im Oktober 2019.

Und wenn ihr Lebenslauf bei LinkedIn korrekt gepflegt ist, ist sie auch nicht die erste deutsche weibliche Cannabis-Gründerin im medizinischen Cannabis-Bereich, denn Lana Korneva von Drapalin hat in ihrem LinkedIn-Lebenslauf stehen, dass sie bereits im Mai 2019 Drapalin mitgegründet hat, also mindestens drei Monate vorher.

Lüge, oder nicht sorgfältig genug, sei mal dahingestellt.

Was mich wirklich traurig stimmt, ist das höher, schneller, weiter der globalen, und somit auch deutschen Start-Up-Kultur. Anna Kouparanis ist Managing Director eines GDP-lizenzierten pharmazeutischen Großhändlers und ist Mitgründerin der Bloomwell group, in der sich mit Algea Care ein Patienten-Vermittlungs-Unternehmen befindet, welches in 2 Jahren bereits 8000 Patienten dabei geholfen hat, eine Ärztin zu finden, welche ihnen Cannabis verschreibt, um ihr tägliches Leiden im besten Fall zu lindern und ihnen ein Stück Lebensqualität zurückzugeben.

Unter dem Kontext der Hilfe, der Gesundheit und des „unternehmerischen Weltverbesserns“ stehen Anna Kouparanis Leistungen doch auch ohne die Betonung des falschen Superlativs auf einem großen Stern. Research Gardens ist auch nicht Deutschlands erstes Cannabis-Blogger-Kollekitv, und ist trotzdem schon vielen Menschen mit Rat und Tat zur Seite gestanden, so wie die Sanity group nicht das erste deutsche Cannabis-Unternehmen war, und trotzdem Investoren wie Stefanie Giesinger oder Snoop Doggs Casa Verde angezogen hat. Hier ist doch Platz für alle!

Cannabis sollte meiner Ansicht nach einen inklusiven Stellenwert in unserer Gesellschaft einnehmen. Die Prohibition hat mit der Trennung von „Rassen“ begonnen und mit dem Herrschafts-Prinzip „Divide et impera“ den Beginn einer beinahe hundert Jahre andauernden Diskriminierung farbiger Menschen markiert.  Wir müssen uns heute nicht mehr über andere stellen, wir sollten es uns leisten können, Sorgfalt und Ehrlichkeit in Selbstdarstellung und Miteinander walten zu lassen.

Lügen haben kurze Beine, aber ich bin mir sicher, die Bloomwell Group benötigt jetzt vor allem einen langen Schritt, um ihre Ziele in Hinblick auf die bunte Vielfalt der deutschen Cannabis-Konkurrenz langfristig zu erreichen. In dem Sinne, weiterhin viel Erfolg und Durchhaltevermögen!

Zu Teil 1: LINK

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